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"Es wäre wohl zu kurz gegriffen, wollte man den überwältigenden
Erfolg dieser Ausstellung mit Begriffen wie Voyeurismus, Lust am
Gruseligen, am Horror zu erklären versuchen. Das ist genauso billig wie
das Argument von kirchlicher Seite, hier würden Verstorbene zum Objekt
eines gotteslästerlichen Zeitgenossen, der sich offenbar selbst als
Schöpfer aufzuspielen versuche. Es geht um etwas ganz anderes. Hier
wird nicht das Wunder der menschlichen Schöpfung nachzuäffen versucht,
hier wird es als Wunder offenbar gemacht. Hier wird nicht versucht,
Leichen zu Kunstwerken umzuformen, sondern hier wird gezeigt, ein welch
einmaliges, unnachahmliches Kunstwerk der menschliche Körper ist. Hier
findet kein lästerliches Spiel mit Verstorbenen statt, sondern hier
werden Wissenslücken gefüllt. Statt Horror und Furcht Aufklärung und
Ehrfurcht."
Schwäbische Zeitung, 27.2.1998
"Vorwürfe verfehlen, was die "KÖRPERWELTEN"-Schau, immer
eingedenk der grundsätzlichen Problematik, bietet. Der Gang an Gunther
von Hagens plastinierten, einmaligen und authentischen Toten vorbei
wird nicht zu einer ekligen Leichenfledderei, wie in manchen
medizinischen Formalin-Sammlungen, sondern zu einer wehmütigen
Promenade, auf der wir uns der Hinfälligkeit, aber auch dem vitalen
Glanz unserer irdischen Existenz auf die denkbar fremdeste, zugleich
vertrauteste Weise nähern: Wir sehen uns selber an."
Süddeutsche Zeitung, 24.1.2000
"Die Besucher wollen ganz einfach kennen lernen, wie der Mensch
"von innen" aussieht, und wollen dafür authentische Präparate sehen.
Diesen Wunsch erfüllen die Ganzkörperpräparate; sie sind glaubwürdig.
(...) In einer aufgeklärten Gesellschaft darf auch der Laie fragen, wie
ein Mensch "von innen" aussieht. Wenn das Präparieren von Leichen im
Rahmen der Ausbildung von Medizinstudenten erlaubt ist (hierin besteht
Konsens), dann kann die Ausstellung von präparierten Leichen zur
Aufklärung medizinischer Laien nicht unzumutbar sein. Die Aufklärung
von medizinischen Laien hat in einer modernen Gesellschaft keinen
geringeren ethischen Rang als die Ausbildung von Medizinern."
Deutsches Ärzteblatt, 3.3.2000
"Schwarzer Hut, weißes Hemd, schwarze Lederweste. Er spricht
jedes Wort einzeln, hält die Hände streng ineinander gefaltet wie zum
Gebet - oder ist es die einzige Möglichkeit, sie von unaufhörlicher
Tätigkeit abzuhalten? - (...) Es wird noch viel zu sagen sein über
diese Ausstellung. Doch eines ist schon jetzt klar - das einfache,
blauäugige Dafür ist genauso verdächtig wie das starre Dagegen."
Der Tagesspiegel, 4.2.2001
"Schon wenige Tage nach der Eröffnung wurde der Berlinale die
Schau gestohlen, zumindest in Berlin selbst: Mit der Eröffnung der
erfolgreichen, aber auch umstrittenen Ausstellung "KÖRPERWELTEN" (...)
wandte sich in der Hauptstadt das Interesse von den Stars weg und hin
zu der Frage, ob etwa die Zurschaustellung eines menschlichen Hirns mit
der Menschenwürde vereinbar ist."
Badische Neueste Nachrichten, 13.2.2001
"(...) ausdruckslose Silikon-Leichen, zerschnitten und posierend,
lassen keine Interpretationen zu; trotz Beuys imitierendem Dauerhut
geht von Hagens als Künstler absolut nicht durch. So kaprizierte sich
der Wahl-Heidelberger auf vorgebliche Aufklärung. Das klappt: Rund 90
Prozent der KÖRPERWELTEN-Besucher behaupten, sie kämen "aus Interesse
am Körper". Es sind überwiegend Leute, die sich erklärtermaßen bilden
wollen. Psychologen aber wissen: Sie kommen des schönen Gruselns wegen
- mit echten Leichen hält keine Geisterbahn, kein Horrorfilm Schritt.
Daher das hohe Trivial-Interesse. Naives Staunen statt echter
Wissensgewinn. Doch weder Besucher noch Macher geben´s zu. Erstere
gehen dem Marketing auf den Leim, Letzterer nutzt die Zeichen der Zeit:
Ohne die schöne Phrase vom Bildungsgut kein Kulturfaktor und keine
Förderung. Nicht wenige sprechen von Heuchelei. Seit Jahren plant das
Möchtegern-Genie zudem ein so genanntes "Menschenmuseum. Nur sind seine
Probanden szenisch verhunzt statt authentisch: Die Fachwelt wittert
Scharlatanerie. Präparator, Plastinator, Plagiator, Manipulator - von
Hagens hält sich eher für einen Aufklärer."
Neues Deutschland, 15.2.2001
"Man begegnet jetzt öfter seltsam hochgestimmten Mitbürgern, die
großen, blauen KÖRPERWELTEN-Kataloge unterm Arm. Es gibt auch Kalender.
Jeden Monat eine neue Leiche zum Umblättern. Warum macht der Anblick
des Plaste gewordenen Todes uns augenscheinlich so tief zufrieden, wie
es der Anblick des allzu Lebendigen nie schafft? Oder ist das nur die
Lust des konkreten Überlebens?"
Die Tageszeitung, 21.2.2001 "Keine Kunstausstellung hat je solche Massen anzuziehen vermocht.
(...) In Berlin kommen täglich rund 7.000 Menschen hinzu. Geduldig
wartend formieren sie sich zu einer menschlichen Schlange, die man als
Allegorie auf das aus den Fugen geratene Verhältnis des Menschen zu
sich selbst lesen kann, der sich im Schneckentempo, Schritt für
Schritt, auf eine Katastrophe zu bewegt. (...) Das Beunruhigendste an
den Massen, die in die KÖRPERWELTEN strömen, ist das messianische
Heilsversprechen, mit dem sie glauben nach Hause zu gehen. Angeblich
bekundet jeder Fünfte nach dem Ausstellungsbesuch sein ausdrückliches
Interesse daran, selbst konserviert zu werden. Die Plastination (...)
wird sich zur Industrie entwickeln. (...) Nur deshalb können sich an
dieser Körperwelt so viele Menschen delektieren: weil sie geruchlos, in
gewisser Weise wie eine Bombe entschärft ist. Die Plastikleichen treten
auf in einem Disneyland der Unvergänglichkeit."
Frankfurter Rundschau, 28.2.2001
"Die Ausstellung zeigt uns nicht nur einen interessanten Einblick
in die Anatomie des Menschen, der so in der Regel Ärzten und
Medizinstudenten vorbehalten ist. Sie zeigen uns auch in
eindrucksvoller Weise das Wunder des Lebens. Wir bekommen vor Augen
geführt mit welch einer Vollkommenheit der menschliche Körper
geschaffen wurde, die keine technische Konstruktion je erreichen wird."
Die Kirche; Berlin-Brandenburgisches Sonntagsblatt, 4.3.2001
"Auch ohne bizarre Installationen, die auf Hagens´ gestörtes
Verhältnis zum toten Menschen verweisen, wären seine Objekte ästhetisch
reizvoll. Während die im Medizinhistorischen Museum gezeigten "spinalen
Infiltrate bei einer Lymphogranulomatose mit Kompression des
Zervikalmarks", zu Deutsch: Querschnittslähmung, dem interessierten
Laien nicht viel sagen, weil es nur so bunte Stricke sind, ist das in
ausgelöster Form durch ein Gussverfahren abgebildete Nervenkostüm des
Menschen oder die Demonstration der Nervenbahnen am Schachspieler nicht
nur lehrreich, sondern schön."
Financial Times Deutschland, 16.3.2001
"KÖRPERWELTEN vollzieht eine Vergötzung des Körpers, aber als
tote Maschine, als Körpermaschine, der man unter die Haut blicken kann,
wie man auf einer Automobilmesse dem Zwölf-Zylinder unter die Haube
schaut. Nach dem Verlust metaphysischer Glaubensinhalte ist der Körper
offenbar die letzte Gewissheit dafür, dass wir am Leben sind."
Zitty 4/2001
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